Fachwissen · Zirkulation

Zirkulation & Legionellen – hydraulische Ursachen erkennen

Ein Zirkulationssystem soll erwärmtes Trinkwasser in Bewegung halten und in allen dafür vorgesehenen Leitungsabschnitten ein ausreichend hohes Temperaturniveau sichern. Kommt es zu einem hydraulischen Missstand, können einzelne Stränge deutlich schlechter durchströmt werden – trotz scheinbar guter Werte am Trinkwassererwärmer.

Technische Kontrolle des Warmwasser- und Zirkulationssystems
Zirkulation als Gesamtsystem bewertenPumpe, Regulierventile, Temperaturen und einzelne Stränge müssen zusammen betrachtet werden.

Kurz gesagt

In zentralen Warmwassersystemen sorgt die Zirkulation dafür, dass erwärmtes Trinkwasser nicht nur am Speicher, sondern auch in entfernten Leitungsbereichen warm bleibt. Mindestens etwa 55 °C im gesamten Zirkulationssystem gelten als hygienisch entscheidend. Werden einzelne Stränge hydraulisch nicht ausreichend versorgt, können dort niedrigere Temperaturen und längere Verweilzeiten entstehen – Bedingungen, die Legionellen begünstigen können.

≥55 °CTemperaturniveau, das im gesamten Zirkulationssystem gehalten werden soll.
HydraulikJeder Zirkulationsstrang benötigt ausreichenden und ausgewogenen Volumenstrom.
RegulierventileSie begrenzen und verteilen Volumenströme zwischen den einzelnen Strängen.
01 · Funktion

Was macht die Zirkulation im Warmwassersystem?

Bei zentraler Trinkwassererwärmung führen Warmwasserleitungen vom Trinkwassererwärmer zu den Verbrauchern. Über Zirkulationsleitungen wird ein Teil des erwärmten Wassers wieder zum Trinkwassererwärmer zurückgeführt. Dadurch bleibt das Wasser auch in entfernten Bereichen warm und steht an den Entnahmestellen schneller zur Verfügung.

Hygienisch ist die Zirkulation vor allem deshalb wichtig, weil sie Wärmeverluste begrenzt und lange Phasen mit ungünstigen Temperaturen in den dafür vorgesehenen Leitungsbereichen verhindert.

Wichtig: Eine laufende Zirkulationspumpe allein beweist nicht, dass jeder Strang ausreichend durchströmt wird. Entscheidend ist die tatsächliche Verteilung des Volumenstroms.
02 · Hydraulischer Missstand

Wie entsteht ein hydraulischer Missstand?

Wasser nimmt bevorzugt den Weg mit dem geringsten hydraulischen Widerstand. Ohne wirksamen hydraulischen Abgleich können kurze oder widerstandsarme Stränge einen großen Teil des Zirkulationsvolumenstroms aufnehmen, während weiter entfernte oder ungünstig gelegene Stränge unterversorgt bleiben.

Strang Anah / geringer Widerstand
starke Durchströmung
Strang Bgut abgeglichen
ausreichender Volumenstrom
Strang Cunterversorgt
zu geringer Volumenstrom
Strang Ddeutlich unterversorgt
kritische Durchströmung

Diese Darstellung ist schematisch. In der Praxis wird die hydraulische Situation anhand von Temperaturen, Regulierventilen, Pumpenbetrieb, Leitungsführung und gegebenenfalls Volumenströmen bewertet.

03 · Regulierventile

Welche Aufgabe haben Zirkulations-Regulierventile?

Regulierventile dienen dazu, den Volumenstrom in einzelnen Zirkulationssträngen zu begrenzen und so auf die verschiedenen Leitungswege zu verteilen. Ohne diese Begrenzung können nahe Stränge hydraulisch bevorzugt werden.

Ventil fehltEine gezielte Verteilung des Zirkulationsvolumenstroms ist nur eingeschränkt möglich.
Ventil falsch eingestelltZu weit geöffnete Stränge können andere Bereiche hydraulisch benachteiligen.
Ventil blockiertAblagerungen oder Defekte können den erforderlichen Volumenstrom reduzieren.
Anlage verändertUmbauten oder Nutzungsänderungen können einen früheren hydraulischen Abgleich unwirksam machen.
04 · Temperaturprofil

Warum reicht ein guter zentraler Zirkulationsrücklauf nicht aus?

Am zentralen Rücklauf vermischen sich die Rücklaufvolumenströme aller angeschlossenen Zirkulationsstränge. Ein stark durchströmter und warmer Strang kann daher den Messwert dominieren, während ein anderer Strang deutlich kühler zurückkommt.

Deshalb kann am Eintritt in den Trinkwassererwärmer beispielsweise eine unauffällige Rücklauftemperatur gemessen werden, obwohl einzelne Steigleitungen unterhalb des gewünschten Temperaturniveaus liegen.

Typischer Fehlschluss: „Der Rücklauf hat 56 °C, also funktioniert die Zirkulation.“ Das kann stimmen – muss aber nicht. Erst die Bewertung der einzelnen Stränge zeigt, ob das System hydraulisch ausgewogen arbeitet.
05 · Legionellen

Wie kann eine schlechte Zirkulation Legionellen begünstigen?

In hydraulisch unterversorgten Bereichen sinkt die Temperatur schneller ab. Gleichzeitig wird das Wasser weniger intensiv ausgetauscht. Dadurch können sich lokale Bedingungen entwickeln, die das Wachstum von Legionellen begünstigen.

1
Zu geringer VolumenstromEin Zirkulationsstrang wird nicht ausreichend durchströmt.
2
TemperaturverlustDie Wärmeverluste werden nicht ausreichend kompensiert; die Temperatur sinkt.
3
Günstigere WachstumsbedingungenWarmwasserbereiche können länger in einem für Legionellen günstigeren Temperaturbereich liegen.
4
Lokale oder systemische BefundeJe nach Ausmaß können einzelne Stränge oder größere Anlagenbereiche mikrobiologisch auffällig werden.
06 · Zirkulationspumpe

Kann eine größere Pumpe das Problem lösen?

Nicht zwangsläufig. Eine höhere Pumpenleistung kann zwar den Gesamtvolumenstrom erhöhen, korrigiert aber nicht automatisch eine ungünstige Verteilung zwischen den Strängen. Ohne hydraulischen Abgleich kann ein größerer Volumenstrom sogar überwiegend durch die ohnehin bevorzugten Leitungswege fließen.

Deshalb sollten Pumpeneinstellung, Regulierventile und Leitungswiderstände als Gesamtsystem betrachtet werden.

07 · Prüfung

Wie wird ein Zirkulationssystem fachlich geprüft?

1
Trinkwassererwärmer prüfenTemperatur am Austritt und Betriebsweise des Systems erfassen.
2
Zentralen Rücklauf messenErsten Überblick über die Temperaturdifferenz zwischen Vorlauf und Rücklauf gewinnen.
3
Einzelne Zirkulationsstränge kontrollierenTemperaturen und vorhandene Regulierventile an den Rückläufen bewerten.
4
Hydraulischen Abgleich beurteilenPrüfen, ob alle Stränge ausreichend und ausgewogen durchströmt werden.
5
Ursachen dokumentierenAbweichungen werden mit Leitungsführung, Nutzung und Legionellenbefunden zusammengeführt.
08 · FAQ

Häufige Fragen zur Zirkulation

Muss die Zirkulationspumpe dauerhaft laufen?

Für hygienisch sicheren Betrieb ist entscheidend, dass das erforderliche Temperaturniveau im gesamten Zirkulationssystem eingehalten wird. Der DVGW empfiehlt für Verbraucher einen dauerhaften Betrieb; energetisch optimierte Abschaltungen sind nur unter definierten Bedingungen sinnvoll.

Wie warm muss die Zirkulation sein?

Als fachlicher Richtwert gelten mindestens etwa 55 °C im gesamten Zirkulationssystem.

Was bedeutet hydraulischer Abgleich der Zirkulation?

Dabei werden die Volumenströme der einzelnen Zirkulationsstränge so eingestellt, dass auch hydraulisch ungünstige Leitungswege ausreichend durchströmt werden.

Kann eine gute Rücklauftemperatur einzelne kalte Stränge verdecken?

Ja. Im zentralen Rücklauf vermischen sich die Rückläufe mehrerer Stränge. Ein warmer, stark durchströmter Strang kann den Gesamtwert anheben.

Was passiert bei defekten Regulierventilen?

Der Zirkulationsvolumenstrom kann falsch verteilt werden. Dadurch können einzelne Stränge zu wenig durchströmt und zu kalt werden.

Hilft eine stärkere Zirkulationspumpe?

Nur dann, wenn tatsächlich ein zu geringer Gesamtvolumenstrom die Ursache ist. Ein Verteilungsproblem zwischen Strängen wird durch eine größere Pumpe allein nicht zuverlässig behoben.

Kann Legionellenbefall nur durch die Zirkulation entstehen?

Ein hydraulischer Missstand kann ein wesentlicher Faktor sein. Zusätzlich sind Stagnation, Temperatur, Biofilm, Nutzung und weitere technische Bedingungen zu bewerten.

Wie erkennt man einen unterversorgten Zirkulationsstrang?

Hinweise sind niedrigere Rücklauftemperaturen, verzögerte Temperaturerreichung an Entnahmestellen oder auffällige Unterschiede zwischen vergleichbaren Strängen.

Fachliche Einordnung
  • DVGW: mindestens 55 °C im gesamten Zirkulationssystem; häufig etwa 60 °C am Austritt des Trinkwassererwärmers.
  • DVGW: korrekter hydraulischer Abgleich des Zirkulationssystems ist ein wesentlicher Bestandteil eines hygienisch und energetisch geeigneten Betriebs.
  • Zirkulationspumpe und Regulierventile dienen gemeinsam dazu, alle vorgesehenen Leitungsabzweige ausreichend zu durchströmen.
  • Bei Legionellenbefunden sind Temperaturprofil und hydraulische Funktion im Rahmen der Ursachenklärung zusammen zu bewerten.
Nicht nur die Pumpe entscheidet

Eine funktionierende Zirkulation braucht ausreichend Temperatur und eine ausgewogene Hydraulik.

Wir bewerten Zirkulationsstränge, Rücklauftemperaturen, Regulierventile und mögliche hydraulische Missstände im Zusammenhang mit Legionellenbefunden.